Risiko-Gate
Alle anderen Gates schauen auf die Einkaufsseite — Marge, Preis, Grenzen. Das Risiko-Gate schaut auf die Verkaufsseite: Wer kauft hier, und wie bezahlt er? Es entscheidet, ob für diesen Käufer unbeaufsichtigt bestellt werden darf, bevor echtes Geld zum Lieferanten geht.
Ein Auftrag, der das Gate nicht besteht, ist nicht verloren — er wartet in der Freigabemappe auf einen Menschen. Das ist der ganz normale Vorkasse-Workflow: Vorkasse anfordern, bei Zahlungseingang freigeben.
Warum es dieses Gate gibt
Ein Mensch, der Aufträge von Hand beschafft, wirft vor jeder Bestellung einen Blick auf den Käufer — oft ohne darüber nachzudenken. Vollautomatik entfernt genau diesen Blick, und dort entstanden die realen Verluste: Bestellungen auf Rechnung von Kunden, die es nie gab.
Das Muster ist immer dasselbe:
- eine Wegwerf-E-Mail-Adresse, meist eine Freemail-Domain
- eine Lieferadresse, an der ein Paket anonym abgeholt werden kann — ein Hochhaus, eine Tankstelle
- die Rechnung wird nie bezahlt, die Ware ist beim Lieferanten längst bestellt und ausgeliefert
Das Risiko-Gate setzt den Blick des Menschen wieder ein — als Prüfung vor jeder automatischen Bestellung.
So entscheidet das Gate
Das Gate ist eine Positivprüfung: Ein Auftrag braucht ein Vertrauensmerkmal, sonst wartet er auf einen Menschen. Geprüft wird in dieser Reihenfolge:
- Ein Sperrlisten-Eintrag trifft (Behandlung Sperren) → der Lauf wird angehalten, und auch die manuelle Freigabe ist blockiert, bis der Eintrag entfernt wird
- Der Kunde ist in Business Central gesperrt oder das Kreditlimit würde überschritten (Saldo + Auftrag > Limit) → angehalten
- Ein Vertrauensmerkmal liegt vor (eines genügt) → der Auftrag darf beschafft werden
- Kein Merkmal → Ergebnis Risikoprüfung (Risk Hold): der Lauf wartet in der Freigabemappe
Ein Sperr-Eintrag schlägt jedes Vertrauensmerkmal
Sperr-Einträge stammen aus echten Betrugsfällen — dieser Wert hat schon einmal Geld gekostet. Auch eine „bezahlte" Zahlungsform schützt hier nicht: PayPal-Zahlungen und Lastschriften können rückgebucht werden, und wer den Eintrag angelegt hat, wusste das. Deshalb blockiert ein Sperr-Eintrag auch die manuelle Freigabe.
Die Vertrauensmerkmale
| Merkmal | Bedingung |
|---|---|
| Vertrauenswürdige Zahlungsform | Die Zahlungsform des Auftrags trifft eine Risiko-Regel mit Behandlung Vertrauen — z. B. PayPal oder Vorkasse: bezahlt ist bezahlt |
| Marktplatz-Auftrag | Das Feld Marktplatz-Bestellnr. ist gefüllt und Marktplatz-Aufträgen vertrauen ist eingeschaltet. Marktplätze ziehen das Geld selbst ein und garantieren die Auszahlung — das Risiko, für das dieses Gate existiert, entsteht dort gar nicht |
| Bestandskunde | Der Kunde hat mindestens so viele bezahlte Rechnungen wie Vertrauenswürdig ab bezahlten Rechnungen verlangt (Standard 2) — und keine überfällige offene Rechnung |
Die Freigabe eines gehaltenen Laufs prüft danach wie immer den Preis erneut — die Risikoentscheidung ersetzt keine Preisprüfung.
Auftragsrisiko-Regeln
Die Seite Auftragsrisiko-Regeln ist die Liste, aus der das Gate lernt — erreichbar aus der Trading-Einrichtung. Jede Zeile bringt dem Gate eines bei: eine Zahlungsform, der es vertrauen darf, eine E-Mail-Domain, die Vorsicht bedeutet, oder eine Adresse aus einem echten Betrugsfall, die hart sperrt.
Es ist eine Liste über alle Regel-Arten hinweg — absichtlich. Wer sie pflegt, ist die Person, die die Betrugsfälle bearbeitet, und ihre Frage lautet „Was wissen wir über diesen Käufer?", nicht „Auf welcher von vier Listen könnte er stehen?".
Die Regel-Arten
| Art | Was verglichen wird |
|---|---|
| E-Mail-Domain | Der Teil der Käufer-E-Mail-Adresse nach dem @ — z. B. GMX.DE |
| E-Mail-Adresse | Die komplette E-Mail-Adresse des Käufers |
| Lieferadresse | Teiltext-Suche über die zusammengesetzte Lieferadresse — Straße, PLZ und Ort gemeinsam |
| Zahlungsform | Der Zahlungsformcode des Auftrags |
Die Behandlungen
| Behandlung | Wirkung |
|---|---|
| Vertrauen | Der Treffer zählt als Vertrauensmerkmal — der Auftrag darf automatisch beschafft werden |
| Freigabe erforderlich | Ein Verdachtsmoment: Der Lauf wartet auf einen Menschen, und der Haltegrund nennt den Treffer |
| Sperren | Harte Sperre: angehalten, und auch die manuelle Freigabe ist blockiert, bis der Eintrag entfernt wird |
Das Feld Bemerkung hält fest, warum ein Eintrag auf der Liste steht — aus welchem Auftrag oder Fall er stammt. Die nächste Person, die die Liste liest, soll nicht raten müssen.
Datenschutz: Einträge können personenbezogen sein
Eine E-Mail-Adresse oder eine Lieferadresse ist ein personenbezogenes Datum. Pflegen Sie Einträge nur mit dokumentiertem Grund in der Bemerkung — der konkrete Fall, aus dem der Eintrag stammt — und entfernen Sie Einträge, deren Grund entfallen ist.
Die Einrichtung
Die Felder stehen in der Gruppe Auftragsrisiko der Trading-Einrichtung und im Einrichtungsassistenten in Schritt „Gates":
| Feld | Bedeutung | Standard |
|---|---|---|
| Auftragsrisiko prüfen | Der Hauptschalter des Gates | ein (bei Neuinstallation) |
| Marktplatz-Aufträgen vertrauen | Ob importierte Marktplatz-Aufträge als bezahlt gelten | ein |
| Vertrauenswürdig ab bezahlten Rechnungen | Wie viele bezahlte Rechnungen einen Kunden vertrauenswürdig machen, sofern nichts überfällig ist. 0 = Historie zählt nie | 2 |
| Risikoprüfung ab Auftragswert (MW) | Bagatellgrenze: Aufträge unter diesem Nettowert werden nicht geprüft — ein kleiner Auftrag kann billiger zu verlieren als anzuhalten sein. 0 = jeden Auftrag prüfen | 0 |
Verhalten im Betrieb
- Simulationsläufe zeigen das Gate vorab. Ein Lauf auf Stufe Simulieren meldet, was das Gate angehalten hätte — der richtige Weg, die Regeln zu kalibrieren, bevor echte Aufträge warten
- Keine Duplikate aus der Warteschlange. Die Aufgabenwarteschlange erzeugt für einen gehaltenen Lauf keinen zweiten — der Auftrag wartet genau einmal in der Freigabemappe
- Fail-safe. Was das Gate nicht beurteilen kann, wird angehalten, nie durchgewunken: Einen Auftrag nicht einschätzen zu können ist nicht dasselbe, wie ihn für sicher zu halten
Wo Sie die gehaltenen Läufe sehen
- Freigabemappe — jeder gehaltene Lauf mit dem Grund in Warum er wartet
- Beschaffungsprotokoll — das Ergebnis Risikoprüfung mit den Details am Lauf